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Der Landbote
Samstag, 22. November 2008

Düsterer Kurzfilm aus dem Industriekeller

Die Filmstadt Winterthur wächst weiter. In der Grüze entsteht ein neuer Kurzfilm: ein Low-Budget-Streifen mit düsterem Szenario.

Es ist ungemütlich in diesem Raum. Der Boden besteht aus gestampftem Dreck. Die Matratze in der Ecke ist löcherig und auf dem Bretterverschlag lagert allerlei Gerümpel: eine alte Gasmaske, rostige Eisenräder, Jutesäcke und Elektroschrott. Die Wände sind rötlich braun und russverschmiert, durch ein kleines Fenster fällt etwas Tageslicht in das enge Zimmer. So sieht die Kulisse für den Film «Swarm Intelligence» aus.
Während der letzten drei Wochen hat Fabian Lüscher zusammen mit Martin Schäppi und Julian Telser in einem Keller im Industrieareal in der Grüze Dachlatten und Bretter zusammennagelt und diese anschliessend verputzt und bemalt. Entstanden ist ein Raum, der täuschend echt wirkt. Bereits morgen Sonntag sollen darin die ersten Szenen gedreht werden, engagiert wurden vier Schauspieler, die ihr Handwerk auch an renommierten europäischen
Schauspielschulen gelernt haben. «Es arbeiten aber alle ehrenamtlich», sagt Lüscher, der das Drehbuch geschrieben hat und das Filmprojekt als sein Regiedebüt in Angriff nimmt. Der 21-Jährige erfüllt sich damit einen Traum. Der Film kostet trotz den vielen freiwilligen Arbeitsstunden noch eine Stange Geld: «Mein ganzes Erspartes stecke ich hinein », sagt Lüscher. 8000 Franken müssen für Miete und Kauf des nötigen Materials und der Räume hingeblättert werden, die Produktion gehört damit in die Low-Budget-Sparte.
«In diesem Segment gibt es bis anhin unzählige Liebes- und Splatterfilme », sagt Lüscher. Er möchte, dass sich sein Film davon abhebt. Statt übetriebener Romanze oder blankem Horror soll etwas «Differenziertes» entstehen. Das Szenario bleibt zwar düster: Während draussen ein grausiger Bürgerkrieg tobt, finden sich vier Wiederstandskämpfer unverhofft in einem geschützten Keller wieder und müssen während Tagen zusammen ausharren. «Einen Gruselfilm gibt es aber sicher nicht.» So gebe es keine Schockeffekte, der Film sei eher «feinfühlig». «Was mich interessiert, ist die menschliche Extremsituation.» Gezeigt werden lange Gespräche, im Raum steht auch die Frage, ob in der Krise der Zweck die Mittel heiligt.

Ästhetik à la Waterworld

Für den Neoregisseur macht aber nicht nur die Handlung, sondern auch die ästhetik den Reiz des Films aus. Es soll eine Endzeitstimmung kreiert werden. Die Kostüme sind eine Mischung aus futuristischer Fantasieuniform und Weltkriegssoldat. Als Referenz nennt Lüscher «Waterworld».

Aus Kostengründen wird der rund 20-minütige Film hauptsächlich in diesem einen Raum spielen. Umso wichtiger war deshalb dessen Gestaltung. «Ich bin Perfektionist», sagt Lüscher. So hat er beispielsweise die Gegenstände, der auf dem Gestell lagern, über mehrere Jahre gesammelt. In den letzten Monaten sind in Winterthur verschiedene grössere und kleinere Filmprojekte verwirklicht worden. Im Frühling wurde in Oberwinterthur gar der erste Science-Fiction-Film der Schweiz gedreht. Dessen Kinostart ist im Laufe des nächsten Jahres geplant.
Derart ambitiöse Pläne hegt Lüscher noch nicht. «Zuerst drehe ich nun mal den Film, danach sehen wir weiter.» Eines weiss er aber bereits: «Nur für Youtube mache ich diesen Aufwand nicht.»

-Marius Beerli



fl 2010

ein film von fabian lüscher mit elisabeth bussinger nicolas fatzer und jennifer mulinde schmid
aufnahmeleitung julian telser kamera martin schäppi ton christian schäppi und sascha weder sounddesign björn bless

www.swarmintelligence.ch